Kapitel: Wer den Morgen erlebt und Speisereste zwischen seinen Zähnen hat, für den gibt es zwei Zustände: Erstens, es handelt sich um eine geringe Menge, die er nicht ausspucken kann, und er schluckt sie hinunter; dann bricht er sein Fasten dadurch nicht (47), da es unmöglich ist, sich davor zu schützen, was dem Speichel ähnelt. Ibn al-Mundhir sagte: Die Gelehrten sind sich hierüber einig. Zweitens, es handelt sich um eine große Menge, die er ausspucken kann; wenn er sie ausspuckt, so trifft ihn keine Schuld, doch wenn er sie vorsätzlich hinunterschluckt, verdirbt sein Fasten nach der Aussage der meisten Gelehrten. Abu Hanifa sagte: Er bricht das Fasten nicht, denn es ist unvermeidlich, dass Reste von dem, was er isst, zwischen den Zähnen verbleiben; dies lässt sich nicht vermeiden und ähnelt somit dem, was mit dem Speichelfluss einhergeht. Wir entgegnen: Er hat Nahrung hinuntergeschluckt, die er aus eigenem Willen hätte ausspucken können, während er sich seines Fastens bewusst war; somit hat er das Fasten gebrochen, genau wie wenn er mit dem Essen beginnen würde. Dies unterscheidet sich von dem, was mit dem Speichelfluss einhergeht, da er dieses nicht ausspucken kann. Falls eingewandt wird: Er kann spucken. So sagen wir: Nicht der gesamte Speichel tritt durch das Spucken aus, und wenn er daran gehindert würde, seinen gesamten Speichel zu schlucken, wäre dies nicht möglich.
Kapitel: Wenn er Öl in seine Harnröhre träufelt, bricht er dadurch sein Fasten nicht, unabhängig davon, ob es die Blase erreicht oder nicht; dies ist auch die Ansicht von Abu Hanifa. Asch-Schafi'i sagte: Er bricht das Fasten, denn er hat das Öl in einen Hohlraum seines Körpers gelangen lassen, wodurch er das Fasten bricht, so als ob er die Absicht zur Körperhöhle hätte. Zudem tritt Samen aus dem Glied aus, was das Fasten bricht, und was das Fasten durch den Austritt bricht, kann es auch durch das Eindringen brechen, wie beim Mund. Wir entgegnen: Es gibt keinen direkten Durchgang zwischen dem Inneren des Gliedes und der Körperhöhle; der Urin tritt nur durch Einsickern aus. Was also dort hineingebracht wird, gelangt nicht in die Körperhöhle, daher bricht es das Fasten nicht, so wie das, was er in seinem Mund behält, ohne es herunterzuschlucken.
Das vierte Kapitel: Wenn er küsst und es zum Samenerguss oder zum Austritt von Lustflüssigkeit (Madh) kommt, so gibt es für denjenigen, der küsst, drei Zustände: Erstens, es kommt nicht zum Samenerguss; dann verdirbt sein Fasten dadurch nicht. Wir kennen hierüber keinen Dissens, aufgrund der Überlieferung von 'A'ischa, dass der Prophet (Segen und Friede seien auf ihm) zu küssen pflegte, während er fastete, und dass er derjenige unter euch war, der sein Verlangen am besten beherrschen konnte. Überliefert von
(47) Aus dem Originaltext ausgefallen. (48) In der Handschrift (M): "kann".